Sie befinden sich hier:  News  »  Detailansicht
Oktober 2008

„Wir betreiben Sportsponsoring strategisch“
- Interview mit Carl Stahl Geschäftsführer Andreas Urbez

Den Sponsoringvertrag mit Boxprofi Firat Arslan hat die Carl Stahl GmbH im Mai 2008 verlängert. Seit Juli 2008 ist der Seil- und Hebetechnikspezialist auch Hauptsponsor der Triathletin Ricarda Lisk. Über die Motive sprach Leonhard Fromm mit Geschäftsführer Andreas Urbez.

Herr Urbez, Ihre Firma hat im Frühsommer ein Leitbild für Sportsponsoring entwickelt. Was ist darunter zu verstehen?

ANDREAS URBEZ: Wir mussten Kriterien definieren, nach denen wir Anfragen behandeln, bei denen uns ein Sportler, Sportverein oder Sportverband um Unterstützung mit Geld- oder Sachleistungen bittet. Denn solche Dinge kann man nicht aus der hohlen Hand heraus und je nach Tagesform entscheiden. Das erzeugt zuviel Unmut.

Was war der Auslöser dafür?

ANDREAS URBEZ: Mit Firat Arslan sind wir vor 15 Monaten eher aus der Situation heraus eine Partnerschaft eingegangen, weil er nun mal wie Carl Stahl in Süßen zuhause ist, wir für eine neue Produktlinie aktuell eine Vermarktungsidee suchten, seine Sportart und Athletik gut zu unserer Zielgruppe passt und einfach die Chemie stimmte. Diese Partnerschaft war aber bundesweit offenbar ein Signal für die Sportszene, dass es bei uns etwas zu holen gibt.

Wie muss man sich das vorstellen?

ANDREAS URBEZ:Wöchentlich gehen seither bis zu fünf Anfragen quer durch alle Sportarten hier bei uns am Stammsitz oder in den Standorten ein, in denen wir mehr oder weniger qualifiziert angefragt werden. Wir brauchten also eine zuständige Anlaufstelle, wo solche Anfragen gesichtet und bewertet werden. Wir brauchten aber auch einen Kriterienkatalog, nachdem wir Anfragen objektiv bewerten, um einerseits Chancen und Ansatzpunkte für uns zu erkennen, andererseits aber auch qualifiziert absagen zu können.

Warum ist das so wichtig?

ANDREAS URBEZ: Unser Arslan-Engagement hatte ganz offensichtlich Begehrlichkeiten geweckt, die nun eben in 99,9 Prozent aller Fälle nicht erfüllt werden können. Damit macht man sich keine Freunde. Deshalb muss wenigsten gut nachvollziehbar sein, warum wir Nein sagen - und sagen müssen.

Können Sie ein Beispiel geben?

ANDREAS URBEZ: Die allermeisten Anfragen haben schon formal unseren Anforderungen nicht entsprochen. Wenn da jemand per Mail oder Telefonat anfragt, wir könnten ihm doch auch einen Tennisschläger finanzieren, wenn wir sogar für Profiboxsport das Geld hätten, dann muss man ihm klar machen, wie weit sein Ansinnen von unseren Zielen entfernt ist. Zugleich müssen die Abläufe standardisiert sein, um den personellen Aufwand für uns gering zu halten.

Und wie kam es zum Engagement bei Triathletin Ricarda Lisk?

ANDREAS URBEZ: Deren Anfrage stach schon formal in Optik, Aussagekraft und mit konkreten Vorschlägen zu Kooperation und Kosten fast alles andere um Längen aus. Sie zeigte auf, warum sie und ihre Sportart zu uns passt, bot Werbemöglichkeiten auf ihrer Wettkampfkleidung oder mit ihrer Person und bei Wettbewerben auf und belegte ihre Medienpräsenz mit Presseartikeln. So war die 27-jährige Waiblingerin als Weltcupsiegerin von Hamburg Anfang Juli bundesweit in fast allen Blättern und gab Interviews bei SWR und ZDF.

In Peking belegte die attraktive Frau statt Medaillenrängen aber nur Platz 15.

ANDREAS URBEZ: Sie kam als beste Deutsche ins Ziel, was eines ihrer wichtigsten Ziele war. Zudem ist sie jung genug, in vier Jahren in London eine Medaille zu holen. Wir holen auch nicht jeden Auftrag, den wir gerne hätten, ins Haus. Entscheidend ist, sein Bestes zu geben und ehrgeizige Ziele zu haben. Der Rest ist Kommunikation.

Wie setzen Sie nun Ihre Werbepartner ein?

ANDREAS URBEZ: Ricarda war bei der AMB in Stuttgart Stargast am Stand bei unserer Messeparty. Sie war im Herbst auf der Eurobike in Friedrichshafen, wo sie für unsere Nokon-Bowdenzüge warb und wir planen einen Schmuckprospekt Carl Stahl life mit Motiven von ihr. Weitere Ideen sind in der Pipeline.

Und wie nutzen Sie den Werbewert des Boxers Firat Arslan?

ANDREAS URBEZ: Sein Konterfei prangt auf weltweit 10000 Carl Stahl-Plakaten bei Kunden, in Produktkatalogen präsentiert der Boxer unsere Flaschenzüge und in dutzenden Anzeigen unserer Firma in rund 40 Branchen- und Fachblättern dient der Modellathlet in Kampfhose als Blickfang, der Aufmerksamkeit auf uns zieht und uns ins Gespräch bringt. Unser rot-graues Logo auf seiner Kampfhose sieht zudem bei den ZDF-Liveübertragungen weltweit ein Millionenpublikum.

Können Sie den Erfolg messen?

ANDREAS URBEZ: Der Imagegewinn ist sicher schwierig zu beziffern. Mit seiner Solidität und Disziplin ist Arslan aber sicher ein guter Botschafter für unser Unternehmen und schafft auch Identifikation nach innen, wenn ich bedenke, dass wir mit knapp 200 Mitarbeitern seine erste Titelverteidigung gegen Darnell Wilson in der Stuttgarter Schleyer-Halle live miterlebt haben. Das Sponsoring von Firat und Ricarda sind Teilbeträge unseres internationalen Marketingbudgets, das wir ohnehin ausgeben müssen, um weltweit unsere Präsenz zu untermauern. Zu verschenken haben wir nichts und im Unverstand können wir das Geld ohnehin nicht ausgeben, weshalb wir vorerst auch keine weiteren Engagements eingehen werden.

Sie unterstützen aber auch Vereine in Süßen auf Kreisliganiveau.

ANDREAS URBEZ: Ja, aber hier gelten andere Kriterien, wie wir das auch in unserem Sponsoring-Leitbild definiert haben. Lokal geht es einerseits um unsere gesellschaftliche Verantwortung, andererseits verstehen wir die Vereine, insbesondere die Sportvereine als Lernorte, wo Kinder sowohl schlicht von der Straße weg sind, aber auch soziale Kompetenz erlernen, auf die wir und andere Betriebe später in der Berufswelt aufbauen können.